Die EU-Dienstleistungsrichtlinie:  Was teuer und deutsch ist, kann nur gut sein?

Unter Berücksichtigung des demografischen Wandels sowie weiterer Änderung wichtiger Rahmenbedingungen (z.B. technische Innovation) wird die Verwaltung zukünftig vermehrt ein Mobilitäts- und Onlineanbieter, der in der Bürgerschaft zunehmende Schwellenängste abzubauen hat.

Hieraus kann prognostiziert werden, dass die Mechanismen der EU-DLR durch Online-Verfahrensabwicklung und durch Bereitstellung eines Einheitlichen Ansprech-Partners zukünftig flächendeckend bzgl. behördlicher Dienstleistungen zum Zuge kommen werden.

Mit Ausnahme der Kulturverwaltung (Theater, Büchereien, Musik- und Volkshochschulen etc.) spielt sich ein Großteil der Kommunikation im permanent gleichartigem Szenario ab. Antragstellung è Bearbeitung è Bescheiderteilung è Ablage (ABBA)

Bei der Auswahl einer geeigneten Software für die Onlineabwicklung sind folglich auch schon die erweiterten Bedarfe zu berücksichtigen.

Die EU-Dienstleistungsrichtlinie und D 115 bedienen sich gleicher Datenstrukturen. So weit die Theorie.

Jeder Anwender kennt seine Fachamtsanwendung. Dort stehen ihm die erforderlichen Hilfsmittel zur Verfügung, um die zu bearbeitenden Daten ordnungsgemäß weiterarbeiten zu können. Dabei ist es egal, ob es sich bei der Fachamtsanwendung um eine Anwendung zur Ausstellung von Personalausweisen oder zur Ausgabe der Kraftfahrzeugzulassungsunterlagen handelt. Alle erforderlichen Daten des Bürgers werden in das Programm eingegeben und die zu zahlenden Gebühren werden vom Programm angezeigt.

Damit das auch so erfolgt, werden die zur Bearbeitung notwendigen Parameter vorab in das Programm eingegeben. Somit stehen die Daten jedoch nur explizit dieser Anwendung zur Verfügung. Ruft jetzt ein Bürger im Fachamt an und möchte Informationen bezüglich mitzubringender Unterlagen oder zu bezahlender Gebühren haben, so kann jeder Mitarbeiter mit dem Zugriff auf diese Fachamtsanwendung die erforderlichen Auskünfte erteilen. Will der Bürger dagegen jedoch nicht anrufen, sondern außerhalb der Behördenöffnungszeiten im Internet diese Informationen recherchieren, so müssen die Daten zudem noch ins Internet eingepflegt werden.

Installiert die Behörde all diese Informationen auf ihrer Homepage, so werden die Daten schon ein zweites Mal vorgehalten. Wichtig ist natürlich, auch diese Informationen, die nicht im permanenten Blickfeld des Sachbearbeiters sind, immer aktuell zu halten.

Sollen nun diese Informationen von einem Service Center außerhalb des Fachamtes für anrufende Bürger beauskunftet werden, so müssen die Service Center Mitarbeiter ebenfalls Zugriff auf die erforderlichen Daten haben. Wird der Zugriff über die Fachamtssoftware geregelt, so muss der Service Center Mitarbeiter unzählige Fachamtsanwendungen für viele unterschiedliche Beauskunftungen im Zugriff haben. Da dies fast unmöglich ist, werden im behördlichen Bereich unter anderem die Internetdaten für Beauskunftungen zugänglich gemacht. Darüber hinaus werden oftmals zusätzliche Informationen in einer eigenen Wissensdatenbank für die Beauskunftungen vorgehalten. Das Zusammenspiel dieser Informationen habe ich in den Artikeln „Mikroformat“ und „CallCenter-Anforderungen“ dargestellt. Zur Erweiterung der Service Center Anforderungen für ein D 115 Service Center sind die entweder per Mikroformat oder per XML aufbereiteten Daten dann über einen zentralen Server des Bundes bereitzustellen.

 Im Rahmen der EU – Dienstleistungsrichtlinie sind die bisher bereits vielfach beschriebenen Daten/ Informationen ein weiteres Mal zu benutzen. Bei der Auswahl einer Anwendung, um die Antragstellung der Dienstleister auch online abzuwickeln, ist darauf zu achten, dass die bereits unter Umständen mehrfach vorhandenen Daten nicht ein weiteres Mal explizit in einer Anwendung einzupflegen sind. Hier kann die Spreu vom Weizen getrennt werden. Hier sind aber die Organisatoren oder Techniker gefordert, nicht nur auf Funktionalitäten oder Design zu achten, sondern tatsächlich der Datenarchitektur Respekt zu zollen.