Warum DOS?

DOS ist schon lange tot und wird vom Endanwender nicht mehr benötigt. Schließlich gibt es auch einen IT-Bereich, der sich um Installationen und Fehler zu kümmern hat.

Richtig – in der heutigen Anwenderwelt gibt es Windows mit sehr guten Programmen und Button, die nach dem Drücken alles Erforderliche veranlassen. Doch welcher Anwender weiß schon, was mit den Daten passiert? Wo kommen Sie her, wie werden sie verarbeitet und wo werden sie gespeichert? Stehen sie auch anderen Anwendungen zur Verfügung? Wer greift noch auf die Daten zu? Was passiert im Sinne von E-Government? Kann der Bürger seine Daten auch selber eingeben? Wie bekomme ich sie dann in meine Anwendung? Wie können die Daten im Sinne der EU-Dienstleistungsrichtlinie von anderen Behörden weiter verarbeitet werden? Wer nicht weiß, was sein PC macht, kann auch nicht im Ansatz oben genannte Fragen beantworten. Die Daten sind da und wenn ich den richtigen Button drücke, passiert auch das richtige mit den Daten.

In der DOS Eingabeaufforderung stehen dem Anwender jedoch keine Button zur Verfügung. Soll ein Kommando ausgeführt werden, muss eine vorher feststehende Syntax beachtet werden. Wird hierbei ein Fehler gemacht, reagiert der PC entweder gar nicht oder aber er reagiert anders als gewollt. In der Hilfe zu jedem Kommando kann dann genauestens geprüft werden, warum der PC permanent so und nicht anders reagiert. Schließlich müssen der Befehl und die anschließende Reaktion eindeutig sein. Mit Hilfe der Genauigkeit, die DOS bei der Eingabe von Befehlen verlangt, wird der Anwender jedoch gezwungen, genauestens zu überlegen, was er denn wirklich will. Auch muss er mehrere unterschiedliche Situationen erkennen können, um sich für die richtigen Befehle bzw. Parameter zu entscheiden.

Dazu kommt, dass leider einige Aufgaben heutzutage immer noch schneller mit Batch-Dateien oder einzelnen DOS-Befehlen erledigt werden können als mit dem Standard Windows Betriebssystem. Hiervon kann auch der Anwender betroffen sein. Zwar wird z.B. die Datensicherung automatisiert vom IT-Bereich übernommen, jedoch alleine bei Netzwerkproblemen, bei denen kein Remote-Zugang auf den betreffenden Rechner mehr möglich ist – kann ein Vorabcheck per Telefon unter Umständen viele Wegezeiten dem IT-Bereich erübrigen. Wer jedoch nie DOS kennen gelernt hat, wird per Telefon auch nie in der Lage sein, den Worten der Administration nachzukommen. Aber auch im Heimbereich, wo jeder einen PC hat, spielen Batch-Programme eine große Rolle. Hier übernimmt nicht der IT-Bereich die Datensicherung und manch Anwender lernt erst nach dem ersten Festplattencrash die Notwendigkeit einer regelmäßigen Datensicherung kennen. Bei einem entsprechend großen Datenvolumen dauert die Datensicherung entsprechend lange, da der Windows-Endanwender sich lediglich der Windows Hilfsmittel bedienen kann. Wer jedoch unter DOS dem Kommando xcopy entsprechende Schalter mitgibt, ist bereits nach wenigen Sekunden fertig. 

DOS kann mit einem Erste Hilfe Kurs für den Führerschein verglichen werden. Meist wird das Wissen nicht benötigt – zudem ist es nach einigen Jahren schon verblasst. Wer dann aber in die Lage kommt, Erste Hilfe leisten zu müssen, ist dann schon mit wenigen Hinweisen per Telefon in der Lage, wenigstens lebensrettende Maßnahmen im Bedarfsfall einzuleiten.

Lebensgefahr besteht im Umgang mit dem PC zum Glück nicht. Aber die Befähigung einzelne Schritte analysieren und mit DOS ausführen zu können, versetzt den Anwender bei vielen anderen Aufgabenstellungen im IT-Bereich (unter anderem beim Thema E-Government) in die Lage, die Aufgabe in mehrere Schritte zu unterteilen und Probleme zu definieren.

Wer der Meinung ist, dass dies trivial sei, solle sich einmal folgendes Problem verdeutlichen. Ich arbeite mit meinem Notebook im Büro. Dort speichere ich die Daten direkt auf dem Server. Wenn ich jedoch unterwegs bin, speicher ich die Daten auf einer separaten internen Festplatte. In der Fachhochschule nutze ich jedoch nicht das Notebook, sondern eine externe Festplatte, auf die ich vorher die benötigten Dateien gespeichert habe. Foglich kommt es vor, dass auf allen drei Medien (Server, interne Platte und externe Platte) Daten verändert wurden. Natürlich habe ich sporadisch auch wieder den Wunsch, die Daten auf allen Medien zu aktualisieren. Doch wie geht's? Mit Windows ist es ein mühseliges Unterfangen. Mit Dos ist es eine einfache Batchdatei :-)